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Anleitungen

Lochkamera kaufen: fertig, Bausatz oder selber bauen?

Selber bauen, Bausatz oder fertig gebaut: die drei Wege zur Lochkamera im Vergleich, samt der Antwort, wann du besser gar nichts kaufst.

11. August 2026 · 7 min Lesezeit · Przemek Zajfert
Weiße Pappkamera mit braunem Papierklebeband auf rotem Stoff, zwei gestochene Löcher nebeneinander, darunter die gestempelten Nummern 873 und 874.
Kamera Nummer 873 und 874 aus dem Projekt camera obscura 2005/1-∞. Foto: Przemek Zajfert.

Beim Kauf einer Lochkamera kommt es auf drei Fragen an: was du mit ihr vorhast, wer sie in die Hand nehmen soll, und ob das Bauen selbst Teil der Freude sein darf. Wer verstehen will, wie aus Licht ein Bild wird, baut am besten selbst, aus einer Schachtel, für ein paar Cent. Wer gern baut, aber ein verlässliches Ergebnis will, nimmt einen Bausatz. Wer ein fertiges, von Hand gebautes Objekt sucht, das ohne Vorwissen funktioniert, kauft eine gebaute Kamera.

Dieser Text geht alle drei Wege durch und nimmt dabei in Kauf, dass du am Ende womöglich gar nichts kaufst. Auch damit können wir leben. Eine Lochkamera gehört zu den wenigen Dingen, die man vollständig selbst herstellen kann, und wenn das dein Weg ist, steht er hier zuerst. Nur der dritte Weg führt zu uns.

Weg eins: selber bauen

Eine Lochkamera ist im Kern eine lichtdichte Schachtel mit einem sehr kleinen Loch. Kein Objektiv, kein Sucher, keine Elektronik. Licht fällt durch das Loch und zeichnet auf der Rückwand ein Bild, auf Fotopapier, das du später entwickelst. Das ist die ganze Maschine, und genau deshalb kannst du sie bauen: aus einem Schuhkarton, einer Keksdose, einer Teedose. Innen schwarz streichen, ein Loch in ein Stück Alufolie stechen, Fotopapier hinein, zukleben.

Wenn du ein Schulprojekt betreust, Physik greifbar machen willst oder einfach wissen möchtest, warum ein Loch ein Bild zeichnet: bau selbst, und kauf nichts. Im Ernst. Alles, was du brauchst, findest du zu Hause oder im Drogeriemarkt, und jede Stunde, die du mit Lichtlecks und misslungenen ersten Versuchen verbringst, ist genau der Unterricht, um den es geht. Eine gekaufte Kamera würde dir diesen Unterricht wegnehmen.

Przemek, der die Both In Time Kameras baut, hat genau so angefangen: Polen, Ende der siebziger Jahre, er war sechs oder sieben. Kameras waren damals etwas für Erwachsene, also drückte ihm sein Vater eine leere Konservendose in die Hand und sagte, mach sie dir selbst.

Seinen Preis hat dieser Weg trotzdem, nur steht er nicht in Euro. Die ersten Bilder werden oft nichts: zu hell, zu dunkel, verwackelt, von einem Lichtstreifen durchzogen, dessen Quelle du erst beim dritten Versuch findest. Du wirst die Schachtel nachbessern, wieder zukleben, wieder warten. Wer das als Teil der Sache begreift, ist hier richtig und kann diese Seite jetzt schließen. Wer am Ende vor allem ein Bild in der Hand halten will, liest weiter.

Weg zwei: der Bausatz

Zwischen Schuhkarton und fertiger Kamera liegt der Bausatz. Es gibt sie aus gelasertem Holz, als Steckkarton, mit Anleitung und passgenauen Teilen: ein Abend am Küchentisch, und danach steht eine funktionierende Kamera vor dir, oft eine für Rollfilm.

Der Bausatz ist für Menschen, denen das Zusammensetzen selbst Freude macht. Wer gern Regale aufbaut, Modelle klebt oder Mechanik in den Händen hält, bekommt hier beides: erst den Bau, dann das Fotografieren. Als Geschenk funktioniert er für genau diesen Menschen gut, und von denen gibt es mehr, als man denkt.

Zwei Dinge löst der Bausatz nicht. Erstens den Film: viele Bausätze arbeiten mit Rollfilm, und der muss nach der Belichtung ins Labor oder in eine eigene Dunkelkammerausrüstung, die mehr kostet als der Bausatz. Zweitens die Frage, was das fertige Objekt sein soll. Ein Bausatz ist eine Serienfertigung, die du zusammensetzt. Daran ist nichts falsch, solange der Bau das Erlebnis ist. Wenn das Objekt selbst etwas bedeuten soll, bringt er diese Bedeutung nicht von allein mit.

Weg drei: die fertige, handgemachte Kamera

Der dritte Weg beginnt bei einer anderen Frage: Für wen soll das Bild eigentlich sein?

Es gibt Anlässe, bei denen das Basteln im Weg stünde. Du willst deiner Schwester zur Hochzeit etwas in die Hand geben, das funktioniert, ohne dass sie vorher drei Probeläufe braucht. Du willst, dass das Objekt selbst schon etwas erzählt, bevor das erste Bild existiert. Dann suchst du keine Bastelaufgabe, sondern etwas Fertiges, gebaut von jemandem, der es kann.

Both In Time ist so eine Kamera, und sie ist für einen bestimmten Fall gebaut: zwei Menschen teilen sich ein einziges Negativ. Jeder belichtet eine Hälfte, an seinem Ort, zu seiner Zeit. Solange nicht beide fertig sind, sieht niemand etwas. Das Bild liegt unsichtbar im Papier und wartet, bis die zweite Hälfte belichtet und entwickelt ist. Das kann eine Woche dauern oder achtzehn Jahre, und um genau dieses Warten herum ist die Kamera gebaut.

Gebaut wird sie in Stuttgart, von Hand, von Przemek Zajfert, der seit Jahrzehnten mit Lochkameras fotografiert. Jede Kamera trägt eine gestempelte Nummer, fortlaufend ab 0001. Das Loch wird mit einer Nadel gestochen, 0,3 Millimeter, und durch diese Öffnung entsteht auf einem Bogen Fotopapier im A5-Format ein Bild von etwa 10 × 15 Zentimetern. Belichtet wird zwischen 4 Sekunden und mehreren Stunden, je nach Licht; wie lange genau, sagt dir die Belichtungshilfe. Entwickelt wird in der eigenen Küche, unter Rotlicht, mit Instantkaffee, Vitamin C und Natron, Schritt für Schritt in der Anleitung. Die Kamera kostet 79 € und steht im Shop.

Vom Bausatz unterscheidet sie weniger die Sorgfalt als der Zweck. Beim Bausatz geht es ums Bauen; bei dieser Kamera geht es darum, mit wem du ein Bild machen willst: mit jemandem, den du jeden Tag siehst, oder mit jemandem, zwischen dem und dir ein Ozean liegt.

Und es gibt den Schubladentest. Viele Geschenke mit Stecker enden in einer Schublade, neben der Powerbank mit Firmenlogo. Eine Kamera, deren zweite Hälfte noch offen ist, kann dort nicht liegen bleiben: sie ist erst halb fertig, und jemand wartet auf den Rest.

Und auch hier gilt: wer allein fotografieren will und das Bauen liebt, braucht diese Kamera nicht; sie ist schlicht ein anderes Vorhaben als ein Bausatz. Ihr Platz ist dort, wo ein Bild von Anfang an zwei Menschen gehören soll: der Person, die schenkt, und der Person, die die zweite Hälfte belichtet. Wenn du beim Lesen schon weißt, wer das wäre, bist du im dritten Weg zu Hause.

Analoge Lochkamera als Geschenk: welche gibt es?

Als Geschenk gibt es analoge Lochkameras in drei Klassen. Der Bausatz aus gelasertem Holz oder Steckkarton verschenkt einen Abend am Küchentisch gleich mit: erst der Bau, dann das Fotografieren. Die fertige, handgemachte Kamera funktioniert ohne Vorwissen und passt, wenn das Objekt selbst schon etwas erzählen soll. Und für den Fall, dass ein Bild von Anfang an zwei Menschen gehören soll, gibt es die Both In Time Kamera aus Stuttgart: ein Negativ, zwei Löcher, jeder belichtet eine Hälfte, entwickelt wird erst, wenn beide fertig sind, nach einer Woche oder nach achtzehn Jahren.

Wer konkrete Namen vergleichen will: zu ONDU, Solarcan und Lomography gibt es hier je einen eigenen, ehrlichen Vergleich. Und wer verstehen will, wie ein Loch ein Bild zeichnet, baut selbst: das ist kein Geschenk, sondern eine Einladung zum Basteln, und genau darin liegt ihr Wert.

Worauf es bei jeder Lochkamera ankommt

Egal, welchen der drei Wege du gehst, dieselben vier Punkte entscheiden über das Ergebnis:

  1. Papier oder Film. Fotopapier verzeiht mehr und lässt sich unter Rotlicht entwickeln, während du zusiehst. Film ist empfindlicher, verlangt völlige Dunkelheit und meist ein Labor. Für den Anfang und fürs Verschenken ist Papier der freundlichere Träger.
  2. Das Loch. Es ist das einzige optische Bauteil der Kamera. Je sauberer sein Rand, desto klarer das Bild. Ein mit der Nadel gestochenes Loch in dünnem Material ist besser als ein gebohrtes in dickem.
  3. Die Entwicklung. Kläre vor dem Kauf, wie aus dem belichteten Träger ein Bild wird: Labor, bestellte Chemie oder die eigene Küche. Caffenol, der Entwickler aus Instantkaffee, macht den letzten Weg für jeden gangbar.
  4. Die Belichtung. Eine Lochkamera hat keinen Belichtungsmesser. Ohne Anhaltspunkte wird das Raten schnell frustrierend; eine Kamera, zu der eine Belichtungstabelle oder eine Rechenhilfe gehört, erspart dir die ersten drei Fehlversuche.

Welcher von den dreien bist du?

  • Du willst verstehen. Bau selbst. Nimm einen Karton, eine Nadel und einen Bogen Fotopapier, und rechne damit, dass die ersten Versuche schiefgehen. Dafür gehört dir danach jedes Bild ganz, samt aller Fehler.
  • Du willst bauen und dann fotografieren. Nimm einen Bausatz. Der Abend am Küchentisch ist Teil der Sache, und am Ende steht eine Kamera, die du selbst zusammengesetzt hast.
  • Du willst schenken, oder ihr seid zwei. Dann nimm eine fertige, handgemachte Kamera. Sie muss ohne Vorwissen funktionieren, sie darf schon eine Geschichte mitbringen, und sie sollte etwas können, das der Schuhkarton nicht kann: zwei Menschen an einem Bild beteiligen.

Wofür auch immer du dich entscheidest: was eine Lochkamera belohnt, ist vor allem Geduld. Das gilt für den Schuhkarton genauso wie für die nummerierte Kamera aus Stuttgart. Der Unterschied liegt darin, wer sie gebaut hat und für wen.

Häufige Fragen

Ist eine selbstgebaute Lochkamera nicht genauso gut?

Zum Lernen ist sie besser. Du findest jedes Lichtleck selbst, verstehst jede misslungene Belichtung und am Ende gehört dir das ganze Bild samt seiner Fehler. Als Geschenk ist sie schwieriger: sie braucht Erklärung, Übung und die Bereitschaft, dass die ersten Versuche nichts werden. Eine fertig gebaute Kamera nimmt dem Beschenkten genau diese Hürden ab.

Was kostet eine Lochkamera?

Zwischen fast nichts und dem Preis einer handgemachten Kamera. Selber bauen kostet einen Karton, eine Nadel und Fotopapier. Bausätze liegen dazwischen, je nach Material und Format. Die Both In Time Kamera kostet 79 €, kommt fertig gebaut aus Stuttgart und trägt eine gestempelte Nummer, fortlaufend ab 0001.

Braucht man fotografische Vorkenntnisse für eine fertige Lochkamera?

Nein. Es gibt nichts einzustellen: kein Objektiv, keinen Fokus, keine Elektronik. Belichtet wird je nach Licht zwischen 4 Sekunden und mehreren Stunden, und die Anleitung führt durch jeden Schritt bis zur Entwicklung in der eigenen Küche. Gebraucht wird vor allem eines: Geduld.

Für wen ist eine Lochkamera kein gutes Geschenk?

Für Menschen, die ihr Bild sofort sehen wollen. Eine Lochkamera zeigt nichts, bis entwickelt ist, und bei Both In Time entsteht das Bild erst, wenn die zweite Person ihre Hälfte belichtet hat. Wer das Warten als Mangel empfindet, wird mit einer Sofortbildkamera glücklicher, und auch das ist eine gute Wahl.